After the last Stroke King of AgogikAfter the last Stroke

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Date : 30. März 2019

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King Of Agogik „After the last Stroke“ (sAUsTARK Records 2019) Review by Frank Bender

Ooops!… He did it again und hoffentlich nicht zum letzten Mal, denn nach dem letzten Schlag kommt immer der erste Schlag des Nachschlags; endings are always beginnings… Um es gleich vorweg zu nehmen: Hans Jörg Schmitz ist in diesen Landen nicht nur der Star des Morgen-Rocks (nicht zu verwechseln mit dem Würstchen im Schlafrock), sondern auch eine kreative Ausnahmeerscheinung und zugleich der Fackelträger fusionesk-klassesk-balladesk-burlesk-grotesk-zappaesker Musik, die nach dem viel zu frühen Tod des im braunen Bobby Car herumtanzenden Narren Frank lange verschütt geglaubt war. Sämtliche Ingredienzien eines in edelmetallenen Töpfen und Pfannen gekochten gehaltvollen Mahls sind auch auf der mittlerweile siebten Scheibe des Herrn Schmitz, der neben dem Generieren polyrhythmischer Strukturen an Schlagzeug und diversen Percussioninstrumenten dicke vier- und sechssaitige Schlüsselbretter bohrt, vertreten: Flöten, Geigen und Gitarren des unruhigen Steve, der Dicke-Backen-Bass des Farmers Gary, Gitarren und Bässe des willemsigen Dago, das manngifaltige Gebläse des simonmagischen Peter sowie das Instrumentarium – Mellotron, Klavier, Kontrabass, Dudelsack etc. – vieler weiterer Recken, darunter ein weiterer Träger des ehrenwerten Namens Schmitz. Für alle Trommelbegeisterten zaubert das Tier Hans Jörg immer wieder in seinem Käfig mit allen Klängen, die Fell und Metall hergeben. Aber auch für Nichtschlagzeuger und Metrisch-Unmodulierte sind die neun neuen Stücke mit einer Gesamtlaufzeit von fast 77 Minuten äußerst kurzweilig arrangiert.

Der Titel dieser CD ist allerdings nicht vollständig; er muss komplett „After the last Stroke of the Heart“ lauten, denn dieses Album beinhaltet ein ganz besonderes Konzept: Es widmet sich in jedem Stück verstorbenen Menschen, denen der Drum-Schmatz auf diese Weise Respekt zollt. So bleiben die Toten in unseren Herzen lebendig. Die musikalischen Vitalstoffe kommen beim siebenten Streich von Mike Oldfield, Barclay James Havest, Genesis, Jethro Tull, Kansas, Frank Zappa, Dream Theater (vorkäsige Zeit) und Konsorten, während die Spurenelemente von King Crimson oder Emerson Lake & Palmer stammen.

An dieser Stelle soll jedes der auf dem Album enthaltenen Stücke besondere Erwähnung finden, denn in der Tat ist jeder Titel etwas Besonderes:

Los geht es mit einem Hippietanz im 15/16-Takt namens „The White Raven“. Dieses in stetigem Wechsel ruppig-nervöse und sphärisch-nachdenkliche Stück, das mit Genres wie Klassik, Fusion, Funk und Prog Metal spielt und den unvergleichlich phänomenalen Charly Heidenreich im Fußumdrehen zum Dancing Freak werden lässt, erinnert an den niederländischen Freidenker und Rebell Kees Hoekert, der auf einem Hausboot namens „De Witte Raaf“ lebte. Ich widme dieses Stück frank und frei unserem allseits geschätzten freakCha für seinen nimmermüden Einsatz in der Avant Szene, deren guter Geist in diesem Landen er ist. Verdient hat Charly, der einzige mir bekannte humanoide Flummi, eine Ehrung längst. Möge er lange in Zufriedenheit und Gesundheit leben!

Es folgt das mit mehr als 20 Minuten fast schon endlos lange „A Day without End“, das allen in künstlich generierten Unglücken – Kriegen, „Naturkatastrophen“ etc. – zu Tode gekommenen Menschen gewidmet ist. Die Schöpfer dieser Unglücke, egal ob sie sich Götter, Propheten oder Staatsmänner nennen, tragen mit ihren Aktionen quasi als Katalysator zum Erwachen der Menschheit bei. Das passt wie die bekannte Faust aufs Ohr, denn sie sind „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Bekanntlich sind Enden – nicht nur die Wurst hat zwei – wie bereits erwähnt stets der Beginn von etwas Neuem, etwa einer Neuen Zeit, und der Tod des physischen Körpers ist nur das Ende desselben, denn unser Bewusstsein ist endlos (vgl. Pim van Lommels gleichnamiges Buch). Musikalisch wird mit Themen, Motiven und Variationen gearbeitet, dass es trotz des traurigen Hintergrunds dieser Komposition eine wahre Freude ist. Dies gilt sowohl für die auf Querflöte und Geige gespielten wundervollen Medodielinien als auch für die zwar verzerrten, aber unglaublich gefühlvoll vorgetragenen Gitarrensoli. Mr. Salmon King besucht das Sleepytime Gorilla Museum und trifft dort auf den lisztigen Franz; zusammen mit den reanimalierten Gorillas jammern und jammen sie derart gekonnt, dass sich der Rezensent mal in einer Kathedrale und mal auf der Kirmes wähnt, wobei ihm die Kirmes unglaublich viel lieber ist, obwohl er jeglichen Rummel verabscheut. Ach, noch etwas: Am Ende dieses Stückes wird noch rush die akustische Gitarre ausgepackt.

Stück Nummer drei – „Carbon Soot“ – ist eine Reminiszenz an meinen leider vor zwei Jahren verblichenen Kollegen Thomas Kohlruß; es kommt als Mix aus Schlagzeugsolo und Klangkollage daher und erfreut den Hörer mit tribendem Tempo.

„Gannef“, der nächste Titel, kommt durch die verwendeten Harmonien und den Gesang zu Beginn indisch daher und erinnert an jung gestorbene Musiker wie den schweizerischen Schlagzeuger Fabian Kuratli, der z.B. in der Klezmerband „Kolsimcha“ viel Taktgefühl besaß. Hier zaubert der Zeuge des Schlags am Drum Kit nach dem Motto „jazz oder nie“. Selbst ein Flachlandtrioler wie er kann so hoch triolisch zu Werke gehen, dass dem Marschianer die Haare zu Berge stehen – q.e.d.

„Patterns on the Water“ lässt den im Jahr 2010 sein Leben aufgrund einer tiefen Depression ausgehaucht habenden Stuart „Woolly“ Wolstenholme hochleben, indem es die Markenzeichen der frühen Barclay James Harvest aufgreift und in etwas progressiveres Fahrwasser bringt. Trotz alledem handelt es sich hier um eine Ballade, die den Lauf des Wassers (Alan Watts – R.I.P.) verSINNbildLICHT.

Im Stück „Plug In – Plaques Out“ trifft King Crimesohn den Lizard-Wizzard von NordWestOst im Prog Metal-Land; beide Gurus mit gespaltener Zunge sind auf der Suche nach dem sagenhaften Elektrolurch. Dieser Lurch ist die von weisen Magiern mit einem Unsichtbarkeitszauber belegte Erscheinung des Mathematik- und Physikgenies Prof. Ettore Majorana. Majorana, der zusammen mit dem Mediziner Prof. Giuseppe Calligaris die Alles-ist-eins-Theorie entwickelte, hatte außerordentliche Fertigkeiten. Unter anderem sagte er mehrere Jahre vor dessen Entdeckung das Element Plutonium samt seiner physikalischen und chemischen Eigenschaften voraus. Die Alles-ist-eins-Theorie, die in den 1930er und 1940er Jahren entwickelt wurde, ist die komplexeste und zugleich stimmigste Kosmologie, fernab vom Urknall-, Relativitäts- und Evolutions-Theorie-Sondermüll und ist aufgrund einer durch Oktavierung und Potenzierung deutlichen Erweiterung des materialistischen Weltbilds in der Lage, die meisten der sogenannten paranormalen Phänomene zu erklären, die sich in einem multidimensionalen Kosmos ereignen. Calligaris, dem von offizieller Seite übel mitgespielt wurde – seine Forschungsergebnisse waren so brisant, dass sie per Gerichtsbeschluss als Irrlehre gebrandmarkt wurden – entwickelte eine Methode, die durch Reizung verschiedenster Hautpunkte, die er Plaques nannte, viele als paranormal geltenden Phänomene an jedem Menschen hervorrufen konnte. Interessanterweise wurden die mehr als 20 Bücher von Calligaris bislang nicht in andere Sprachen übersetzt. Wohl dem, welcher der italienischen Sprache mächtig ist.

Im Zwischenspiel „Watching the Moon“ verneigt sich Schmitz vor unseren Eltern; ein russisches Sprichwort lautet: Wer seine Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft.

Der folgende Titel „Back in the Second Line“ sollte eigentlich lauten „Bach in the Second Line“, denn der verschmitzte Schlagzeuger beschäftigt sich in diesem Stück mit Frank Zappa, dem größten musikalischen Genius des 20. Jahrhunderts. In der Tat steht – nicht nur für den Rezensenten – Zappa, der weiße Blätter schwärzte, um darauf allerlei Weisheiten zu notieren, in der zweiten Reihe gleich hinter Johann Sebastian Bach. Dieses Stück klingt denn auch nach einer persönlichen Vorstellung des Großmeisters der komplexen Popularmusik.

Zum guten Schluss bringt uns der trommelnde Barde mit Bart ein Wiegenlied dar, das in diesem Kontext zum drumatischen Wiegenleid wird. „Retromatic Lullaby“ widmet sich jüngst von uns gegangenen Progmusikern wie Chris Squire, Keith Emerson oder John Wetton und zieht alle Register der progressiven Kompositionskunst. Auch in der Instrumentalmusik ist es möglich, komplexe Botschaften in codierter Form zu transportieren. Menschen wie Ettore Majorana konnten bzw. können solche mittels Notation chiffrierte Zahlencodes erkennen. Interessanterweise waren die meisten „Seher“ in der Geschichte der Menschheit blind; der Physiker Burkhard Heim, der 12 Dimensionen nicht nur sah, sondern auch berechnete, ist hierfür ein Musterbeispiel. Der Agogik-König Schmitz – nomen est omen – versteckt, garniert mit einem verschmitzten Lächeln, z.B. im Stück „Retromatic Lullaby“, die Postleitzahl 5 – 6 – 6 – 2 – 6 seiner Heimatstadt Andernach mittels verschiedener trommeltechnischer Späßchen. Allerdings macht er das so gekonnt, dass dem musikalischen Laien dies gar nicht bewusst wird. Derart unauffällig „quantisiert“ gelang es nur wenigen Schlagzeugern wie Vinnie Colaiuta, solche Kabinettstückchen zu verpacken. Aus diesm Grund haben wir es diesmal nicht mit Schrödingers, sondern mit Schmitzs Katze zu tun. Seine Musik geht übrigens ab wie selbige.

Durch Persönlichkeiten wie Hans Jörg Schmitz, die verstorbene Menschen und in Vergessenheit geratene Dinge mit den Mitteln der Musik in Erinnerung rufen, wird die „Freiheits-Statue“ zur Freidenker-Statue. (Wie frei ist eine Menschheit, die sich Denkverbote auferlegen lässt, ohne dies zu bemerken?) Solche Musiker fungieren als Leuchttürme für alle Musiker, ja für alle Menschen, sich jenseits der glitzernden Oberflächlichkeiten nach Antworten auf die Grundfragen der Menschheit – „woher kommen wir?“, „warum sind wir hier?“, „wohin gehen wir, wenn unser physischer Körper stirbt?“ etc. – umzusehen. Manchmal ist in dieser Hinsicht der Blick zurück ein Blick nach vorn, denn wir befinden uns in den Geburtswehen einer Neuen Zeit. Wache Menschen sehen mit dem dritten Auge besser als die meisten in den TV-Tiefschlaf Gewiegten mit dem zweiten.



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